Psychopharmaka: Medikamente und Psychotherapie
Das Thema Medikamente in der Psychotherapie und Psychiatrie sorgt oft für Verunsicherung bei Patienten und deren Angehörige. Undifferenzierte Medienberichte, Mangelnde Aufklärung, Unwissenheit, Vorurteile und die Forderungen nach schnellen, günstigen Lösungen führen weitläufig zu falschen Erwartungen und Ängsten.
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Psychotherapeuten verordnen keine Medikamente
Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sind nicht berechtigt Medikamente zu verschreiben. Das trifft auch für Psychopharmaka zu.
In der Regel werden in der ambulanten Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeuten keine Medikamente eingesetzt. Eine Ausnahme bilden ärztliche Psychotherapeuten oder Fachärzte für Psychotherapie und Psychiatrie (Psychiater), die psychotherapeutische Behandlungen durchführen und gleichzeitig Pharmakotherapien anbieten.
Wann sind Medikamente sinnvoll?
Bei vielen weniger schweren psychischen Erkrankungen, psychologischen Problemen und emotionalen Krisen reicht oft eine psychotherapeutische Behandlung allein aus. Selbst Krisengesprächen und eine Kurzzeittheapie von 12 bis 24 Sitzungen ist oft die empfehlenswertere Methode.
Die massenhafte Verordnung von Medikamenten, insbesondere von Psychopharmaka wird seit langer Zeit zu Recht kritisiert. Mehrfach ist bekannt geworden wie Pharmaunternehmen ihre Interessen gegen das Wohl von Patienten durchgesetzt haben und dies immer noch tun.
Nachteile von Medikamenten
Es sollte generell darauf geachtet werden, dass die Einnahme von Psychopharmaka nicht zur Alltäglichkeit wird. Neben immer noch unerforschten Langzeitnebenwirkungen, bergen sie das Risiko körperliche Sucht und emotionalen Abhängigkeit auslösen (Vgl. Suchentwicklung bei Benzodiazepinen oder Nervenschädigungen bei Neuroleptika). Über die genaue Wirkungsweise weiß man darüber hinaus sehr wenig. Das liegt daran, dass die Strukturen und Zusammenhänge im Gehirn und in der Psyche immer noch ein Rätsel darstellen. Dies trifft auch heute noch zu, trotz der hochauflösenden MRT- bzw. fMRT-Bilder, die dem Laien und selbst manchem Fachpersonal den Eindruck vermitteln, man könne dem Gehirn beim Arbeiten zu sehen – Dem ist nicht so! Der Mensch kann zwar in einige Mechanismen eingreifen, die Auswirkungen bleiben jedoch weites gehend unbekannt. Dieser Tatsache sollte man sich stets bewusst sein.
Psychologische Auswirkungen in der Psychotherapie
Neben den medizinischen und körperlichen Effekten bringen Psychopharmaka auch auf der psychologischen Ebene Auswirkungen mit sich. Diese wurden von Psychoanalytikern und Tiefenpsychologen bereits beleuchtet:
Der psychodynamische Wirkungsmechanismus von Psychopharmaka liegt in der Reduktion von Emotionen und Gefühlen. Das bringt eine Bewusstseinsveränderung mit sich, die sich auch auf das Verhalten auswirkt. Allerdings verlieren Emotionen und Gefühlen ihre ursprüngliche wichtige Signalwirkung. Damit verliert sich leider oft der Zugang zu den dahinterstehenden Ursachen. Der Patient wird in der aufdeckenden Psychotherapie dabei behindert, den Umgang mit seinen Emotionen und Gefühlen zu erlernen. Außerdem werden wird die Selbstwirksamkeit und die Selbstheilungskräfte reduziert. Insbesondere der Einfluß auf die Selbstwirksamkeit wird selbst von einigen Vertreter der Verhaltenstherapie kritisch gesehen.
Kostenübernahme
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten. Mit der Gesundheitskarte ist es möglich direkt einen Termin bei einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Psychiater*in) zu vereinbaren, um zu klären, ob eine Pharmakotherapie oder eine Kombitherapie Ihnen in der jeweiligen Lebenssituation helfen kann. Allerdings sollten auch der Psychotherapeut darüber informiert werden bzw. diese Option vorab besprochen werden.
Bei einer privaten Versicherung sollten sich vorab informiert werden, ob eine Pharmakotherapie oder eine Kombitherapie abgedeckt sind. Viele private Versicherer orientieren sich an den Psychotherapierichtlinien der gesetzlichen Krankenkassen, haben jedoch unterschiedliche Regelungen.
