Aufdeckende Psychotherapie – Unbewusste Motive verstehen

Unter der Bezeichnung „Aufdeckende Psychotherapie“ werden bestimmte psychotherapeutische Verfahren, Ansätze und Methoden zusammengefasst. Ihnen gemeinsam ist, dass sie unbewusste seelische Inhalte und Zusammenhänge bewusst machen und damit „aufdecken“ wollen.

Die Suche nach unbewussten Anteilen und deren Aufdeckung geht auf die Psychoanalyse von Sigmund Freud zurück. Zu den klassischen Ansätzen gehören darüber hinaus die Analytischen Psychologie nach Carl Gustav Jung und die Individualpsychologie nach Alfred Adler.

Kinderpsychologe und Kinder-und-jugendlichenpsychotherapeutVerfasst von
Tobias Szuwart – Psychotherapeut

Approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, tiefenpsychologisch fundiert & Gruppentherapeut

Symbolbild - Kugeln in Bewegung als Modell für unbewusste psychische Ursachen
Unbewuste Motive aufdecken

Inhalte - Übersicht

Abgrenzung zur oberflächlichen Verhaltenstherapie

Im methodischen Gegensatz zur aufdeckenden Psychotherapie steht vor allem die Verhaltenstherapie. Sie ist nicht an unbewussten Inhalten, Zusammenhängen, Motiven oder Konflikten interessiert und gilt somit nicht als aufdeckendes Verfahren. Die Verhaltenstherapie wird auch manchmal als „zudeckende“ Psychotherapieform bezeichnet und unter der supportiven (unterstützenden) Psychotherapie zusammengefasst. Sie beschränkt sich allein auf die Stabilisierung des Patienten und die Behandlung von, als krankheitswertig eingestuften, Symptomen. Das „Warum und Wieso“ wird nicht beachtet. Dazu wird die Verhaltenstherapie eher mit Psychopharmaka als Kombitherapie durchgeführt.

Moderne psychologische Ansätze und Techniken

Neben den klassischen analytischen Ansätzen, gibt es inzwischen modernere psychologische Ansätze und Weiterentwicklungen von Psychoanalytikern und Tiefenpsychologen. Hierzu zählen:

In einer „aufdeckenden“ Behandlung werden gemeinsam mit dem Patienten die unbewussten Persönlichkeitsanteile behutsam(!) bewusst gemacht. Dazu werden bspw. folgende Techniken eingesetzt:

  • Analyse der Patient-Therapeut-Beziehung
  • Klasifizierung
  • Identifikation von Abwehrmechanismen
  • Wiederstände in der Behandlung
  • Bezug aktueller Situationen zu biografischen Erlebnissen
  • Teilweise Bezug zu frühkindlichen Konflikten
  • Deutungen
  • Psychodynamiken erkennen

Alle aufdeckenden Verfahren gibt es als Einzeltherapie, Gruppentherapie oder in Kombination der beiden Settings.

Wissenschaftliche Einordung

Die Existenz des sogenannten Unbewussten wird seitlangem von Vertretern der ärztlichen Medizin, der Pharmakologie und der Verhaltenstherapie als „unwissenschaftlich“ bezeichnet. Dies liegt an einem anderen wissenschaftstheoretischen Verständnis sowie an Lobbyinteressen. In den letzten 10 Jahren kamen auch die naturwissenschaftlich orientierten Neurowissenschaften immer mehr zu nachweisbaren Beobachtungen, die eine Existenz unbewusster Prozesse im Gehirn bestätigen.

Quellen

  • Berne, Eric: Games People Play: The Psychology of Human Relationship. Grove Press, New York 1964
  • Peters, Uwe Henrik (Hrsg.): Lexikon Psychiatrie, Psychotherapie, medizinische Psychologie. 6. Auflage. Elsevier-Verlag Urban und Fischer, München 2011
  • Mentzos, Stavros: Neurotische Konfliktverarbeitung: Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven; Fischer Taschenbuch (2013); ISBN-10: 3596422396
  • Mentzos, Stavros: Lehrbuch der Psychodynamik: Die Funktion der Dysfunktionalität psychischer Störungen, Vandenhoeck & Ruprecht; Auflage: 7. (2015)
  • Otto Kernberg und Manfred Lütz: Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg?: Erfahrungen eines berühmten Psychotherapeuten (2020)
  • Tilo Kircher: Kompendium der Psychotherapie: Für Ärzte und Psychologen (2018)