Psychologie: Tiefenpsychologie & Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

Was ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?

Voraussetzungen

Rahmenbedingungen und Ablauf

Erwachsene

Kinder

Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre

Psychologische Konzepte

Behandlung

  1. Erwachsenenpsychotherapie
  2. Kinderpsychotherapie und Spieltherapie
  3. Elternarbeit und Eltern-Kind-Psychotherapie
  4. Jugendpsychotherapie bis 21 Jahre

 

Psychologie: Tiefenpsychologie und Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)
 

Was ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie? unbewusst oder unterbewusst Psychologie und Menschenbild tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine modifizierte psychoanalytische Behandlungsmethode. Die Unterschiede zur analytischen Psychotherapie sind in der Erwachsenentherapie vor allem eine geringere Frequenz der Sitzungen sowie eine kürzere Dauer der Behandlung. In der Kinder- und Jugendpsychotherapie sind kaum noch Verschiedenheiten erkennbar.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) gehört neben der analytischen Psychotherapie (AP) und der Verhaltenstherapie (VT) zu den drei derzeitanerkannten Richtlinien-Verfahren. Diese drei Verfahren sindfür die Behandlung von Patienten zugelassen. Die Kosten der Therapie werden von den Krankenkassen übernommen.

Eingesetzt wird das Verfahren in ambulanten psychotherapeutischen Praxen wie auch in der stationären Versorgung durch die Psychiatrie. Es wird sehr häufig angewandt und ist fester Bestandteil der Grundversorgung im Gesundheitssystem.

Wegen der flexiblen Einsatzmöglichkeiten der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapiewird sie bei einem breiten Spektrum von„psychologischen Problemen“ eingesetzt. Hierzu zählen neurotische bzw. psychische Störungen sowie psychosomatische und schwere psychiatrische Erkrankungen.

Das Verfahren beinhaltet Methoden zur Therapie von Erwachsenen sowie von Kindern und Jugendlichen. Sie wird als Einzeltherapie, als Gruppentherapieund in Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie angewendet.

 

 

Anwendungsbereiche

Altersbereiche 

Die tiefenpsychologischen Verfahren sind bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Erwachsenen sowie bei Menschen "jenseits der Lebensmitte" gut einsetzbar. Junge Patienten bis zum Alter von 21 Jahren werden in der Regel von spezialisierten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten behandelt (oft auch fälschlicherweise als Kinderpsychologen oder Jugendpsychologen bezeichnet).

 

Diagnosen, Störungsbilder und Indikationen 

Diegroße Anzahl ambulant durchgeführter, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapien weist auf die breiten Einsatzmöglichkeiten dieser Verfahren hin. Selbst im stationären und klinisch psychiatrischen Bereich sind diese Verfahren oft das Mittel der Wahl.

Angewendet werden sie beispielsweise beifolgenden psychischen Störungenund ICD-10-Diagnosen:

  • Trauerreaktion ICD-10 F43.2
  • Depressionen ICD-10 F32.0
  • Angstsymptomatik ICD-10 F41.0
  • Phobien mit Zwangsgedanken ICD- 10 F40.2
  • Schulschwierigkeiten
  • Trennungsangst
  • Suchterkrankungen
  • Persönlichkeitsstörung
  • auch bei verschiedensten funktionellen Beschwerden

Der Einsatz bei körperlichen und psychosomatischen Erkrankungen kann zur Verbesserung der Krankheitsbewältigung und Verhinderung weiterer Chronifizierung beitragen:

  • bestimmten Formen von Asthma bronchiale ICD-10 J45
  • chronisch entzündlichen Darmerkrankungen: Colitis ulcerosaICD-10K51 und Morbus Crohn ICD-10 K50
  • Hauterkrankungen: Neurodermitis ICD-10 L20 oder Schuppenflechte ICD-10 L40

 

Wirksamkeit 

Die Wirksamkeit des Verfahrens ist vielfach wissenschaftlich belegt. Zudem hat es sich über Jahrzehnte in der Praxis bewährt. Als eigenständiges Richtlinien-Verfahren sind sie gegenüber der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie etabliert. Die TP ist Gegenstand der modernen Psychotherapieforschung und wird laufend weiterentwickelt. Berufsverbände, Psychotherapeuten Kammern und Kassenärztliche Vereinigungen verpflichten zu Fortbildungen der Behandler und sorgen für hohe Qualitätsstandards.

 

Voraussetzungen 

Passt die tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie zu mir?

Die psychotherapeutische Sprechstunde und die probatorischen Sitzungen vor einer Psychotherapie dienen der Diagnostik und der Aufklärung. Damit wird sichergestellt, dass Patienten ein Therapieverfahren erhalten, welches zu ihnen passt (Indikation).

Dennoch ist es sinnvoll sich selbst über die Voraussetzungen für eine tiefenpsychologische Psychotherapie zu informieren. Das spart Zeit, die sonst für Beratung und Aufklärung genutzt wird, und hilft bei der Suche nach einem passend ausgebildeten Psychotherapeuten.

 

Checkliste für Patienten 

  • Der Patient bzw. die Eltern sollten nicht zu sehr symptomzentriert sein. Es sollte eine Bereitschaft vorhanden sein, sich den Hintergründen der Symptome zuzuwenden.
  • Ein gewisses Maß an Geduld und Frustrationstoleranzist wichtig bis erste Effekte und Wirkungen eintreten. Schnelle Heilung sollten nicht erwartet werden, da es eher um nachhaltige Erfolge geht.
  • Die Gespräche verlangen ein hohes Maß an Offenheit und Vertrauenin den Psychotherapeuten.
  • Die „Chemie“ sollte stimmen und eine ausreichendgute Beziehung zum Psychotherapeuten ermöglichen.
  • Die Mitwirkung der Eltern ist in der Kinder- und Jugendpsychotherapie erforderlich und oft ausschlaggebend für die Ausheilung
  • Die soziale Situation(Schichtdienst, Wechseldienst)sollte einen regelmäßigen terminlichen und zeitlichen Rahmen ermöglichen
  • Aktuellen Lebensumstände (Schulden und schwer auflösbare Abhängigkeiten) sollten geregelt bzw. in geordneten Verhältnissen sein
  • In der Vorgeschichte sollten sichauch positive Beziehungen finden lassen
  • Gute Intelligenz und Verständnisfähigkeit
  • konstruktive Problemlösefähigkeit
  • Zugang zu eigenen Gefühlen und Affekten
  • Motivation zur Änderung der Persönlichkeit und nicht allein Symptomheilung

 

Alternativen 

Welche Behandlungsalternativen habe ich? Liegen diese Voraussetzungen überwiegend nicht vor, ist es sinnvoll den Einsatz einer anderen Therapieform in Erwägung zu ziehen. Meistens wird auf eine Verhaltenstherapie ausgewichen oder eine Kombination mit einer medikamentösen Behandlung mit Psychopharmaka als Alternative genutzt.

 

Rahmenbedingungenund Ablauf

Als Richtlinienverfahren im Gesundheitssystem ist die Tiefenpsychologie gewissen Vorgaben der Verwaltung unterworfen. Dies sichert die Finanzierung durch die Krankenkassen und ermöglicht vielen Menschen den Zugang zu einer Therapie. Das ist in Deutschland ein großer, weltweiteinmaliger, Vorteil.

 

Wie lange dauert eine Sitzung? 

Üblicherweise dauert eine Sitzung in der tiefenpsychologischen Einzel-Psychotherapie 50 Minuten. In der Gruppen-Psychotherapiewerden Sitzungen zu je 100 Minuten durchgeführt. - Psychotherapeutische Sprechstunden und Akutbehandlung zu Beginn sowie Sitzungen zur Kriseninterventionkönnen kürzer ausfallen.

 

Wie oft findet die Psychotherapie statt? 

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie findet in Einzelsitzungen üblicherweise einbis zweimal pro Woche statt. In der Gruppentherapie ist das genauso geregelt. In Krisen und Risikosituationen kann es zu hochfrequenten Therapieabschnitten kommen.Es sollte eine gewisse Regelmäßigkeit und Konstanz eingehalten werden, um eine Wirkung zu erzielen.

 

Wie lange dauert eine tiefenpsychologische Psychotherapie? 

Die Dauer ist von dem Stundenkontingent und der Frequenzabhängig. Sie wird variabeldem Einzelfallangepasst und kann zwischen drei Monaten und zwei Jahren dauern.Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird durchgeführt als Krisenintervention, Kurzzeittherapie oder Langzeittherapie mit etwa 24 bis 100 Sitzungen.

 

Wie viele Stunden Psychotherapie werden übernommen? 

Die Stundenzahlen, welche von den gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen genehmigt werden, sind für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendlichen bis 21 Jahre unterschiedlich.Dies ist den Erkenntnissen aus der Kinderpsychologie bzw. Jugendpsychologie und deren Wichtigkeit für die psychische Entwicklung geschuldet. Bewilligte Stundenkontingente müssen nicht voll ausgeschöpft werden. Eine frühere Beendigung ist immer möglich.

 

Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen 

Wie viele Stunden werden genehmigt? Die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wie bspw. AOK, Barmer, BKK, DAK, IKK, Techniker Krankenkasse usw. werden über die Kassenärztliche Vereinigung abgerechnet. Die Kostenübernahme wird in fest vorgegebenen Schritten bewilligt. Zuzahlungen müssen gesetzlich Versicherte nicht leisten. Sollte ein Antrag auf Psychotherapie durch einen Gutachter abgelehnt werden, kann Wiederspruch eingelegt werden und ein bestellter Obergutachter entscheidet neu.

Die Anzahl der Sitzungen für tiefenpsychologische Psychotherapie unterscheidet sich zu den Richtlinien-Verfahren der Analytischen Psychotherapie und der Verhaltenstherapie. Nach der psychotherapeutischen Sprechstunde und den probatorischen Sitzungen (Probatorik) besteht eine Antragspflicht für die Kurzzeit- und Langzeittherapie.

 

Stunden für tiefenpsychologische Psychotherapie nach GKV 

Erwachsene  

ET = Einzeltherapie

GT = Gruppentherapie

Erwachsen

ET

GT

Pt. Sprechstunde

4

4

Probatorik

4

4

Kurzzeittherapie 1

12

12

Kurzzeittherapie 2

12

12

Langzeittherapie

60

60

Therapieverlängerung

100

80

 

Kinder 

Kinder

ET

GT

Pt. Sprechstunde

5

5

Probatorik

5

5

Kurzzeittherapie 1

12

12

Kurzzeittherapie 2

12

12

Langzeittherapie

70

60

Therapieverlängerung

150

90

 

Jugendliche und junge Erwachsene bis 21 Jahre 

Jugendliche bis 21

ET

GT

Pt. Sprechstunde

5

5

Probatorik

5

5

Kurzzeittherapie 1

12

12

Kurzzeittherapie 2

12

12

Langzeittherapie

90

60

Therapieverlängerung

180

90

 

Psychologische Konzepte 

Was ist Tiefenpsychologie?

Die tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Verfahren grenzen sich in ihrenwissenschaftlichen Ansichtenund Theoriengegenüber anderen Verfahren wie der Verhaltenstherapie oder der Systemischen Therapie ab.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist als Behandlungsverfahren ist relativ neu. Heutzutage versteht man darunter eine etwas veränderte psychoanalytische Behandlungsmethode. Sie gilt als eigenständiges Verfahren, dass aus der analytischen Psychotherapie hervorgegangen ist.

Die Trennung zwischen der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und der analytischen Psychotherapie hat verschiedene Gründe. Auf der wissenschaftlichen und theoretischen Ebene gab es Psychoanalytiker, die sich von Siegmund Freud, dem Ur-Vater der Psychoanalyse, abgrenzen wollten und eigene Theorien und Ansätze entwickelt haben.

Sehr bekannte Namen sind bspw. Carl Gustav Jung oder Wilhelm Reich.Allerdings ist die heutige Kinder- und Jugendpsychologie und -psychotherapie ohne die kinderpsychologischen Untersuchungen von den Analytikerinnen Anna Freund und Melanie Klein nicht vorstellbar.

Die heutigen Verfahren haben mit der klassischen Psychoanalyse nicht mehr viel gemeinsam. Dennoch gibt es eine gemeinsame „Metapsychologie“, der alle s.g. psychodynamischen Verfahren folgen. Diese entspricht einer Anthropologie und einem bestimmten Menschenbild.

Die angewandten Prinzipien haben sichaus der psychoanalytischen Praxis entwickelt. Ohne sie wäre die heutige Psychotherapie nicht denkbar. Das gilt im Übrigen auch für die Verhaltenstherapie, die Systemische Therapie und viele andere Methoden. Sie sind wissenschaftlich fundiert, anerkannt und nachweißbar.

 

Merkmale der Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie 

Die analytische Psychotherapie und Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie mussten sich quasi „künstlich“ gegeneinander abgrenzen, um eigenständig im deutschen Gesundheitswesen als Richtlinien-Verfahren bestehen zu können.

Dieser Notwendigkeit geschuldet, bestehen nun einige Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die sich wie folgt kurz zusammenfassen lassen:

  • Kürzere Behandlungsdauer Erwachsenentherapie der TP gegenüber der AP
  • Gleiche Behandlungsdauer von Kindern, Jugendlichen bis 21 Jahre
  • weniger Wochensitzungen bei der TP (1-2) gegenüber der AP (2-4)
  • TP konzentriert sich eher Konflikt- und Belastungssituationen
  • TP legt den Schwerpunkt auf das gegenwärtige Erleben
  • AP versucht eine umfassendere Veränderung der Persönlichkeitsstruktur
  • Beide beziehen biografische Aspekte und Konflikterfahrungen ein
  • TP behandelt nicht im Liegen; AP nur selten im Liegen

Schwierig ist eine solche Unterscheidung auch deshalb, weil die Unterschiede innerhalb der Tiefenpsychologie und der Psychoanalyse sowie zwischen den Behandlern selbst so facettenreich und vielfältig sind.

 

Grundbegriffeder Tiefenpsychologie einfach erklärt 

Im Folgenden werden in einfachen Worten einige wichtige psychologische Konzepte vorgestellt. Sie geben Aufschluss darüber wie die menschliche Seele „funktioniert.Sie sind wichtige Anhaltspunkte, wenn sich Symptome und Störungen entwickeln.

Das Unbewusste: Dies ist mit Abstand die grundlegendste Erkenntnis. Man davon aus, dass wir unser Leben nicht nur mittels unseres Willens bewusst gestalten. Vielmehr wird unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Handelnvon unbewussten psychischen Einflüssen beeinflusst und gelenkt. Die Existenz des Unbewussten und seinen Strukturen ist der entscheidende Faktor.Im Unbewussten haben frühe Beziehungserfahrungen und damit verbundenen frühkindlicheinfantile Konflikte eine besondere Bedeutung.

Die Entwicklungspsychologie: Sie geht davon aus, dass der Mensch von der frühkindlichen Entwicklung über die Jugend bis ins hohe Alter psychologische Konflikte und Krisen durchlebt. Das diese normal sind und zum Leben gehören.Besonderes Augenmerk wird auf die kinderpsychologische Entwicklung des Patienten gelegt. Beispielsweise erlebt jedes Kind den normalen menschlichen Konflikt zwischen dem Wunsch, einerseits unabhängig und selbstständig und anderseits geborgen und aufgehoben zu sein. Es geht also nicht darum ohne Konflikte und Krisen zu leben, sondern die Konfliktphasen konstruktiv zu lösen.

Entwicklungsstörungen: Die Konfliktlösung kann blockiert werden, wenn die Anforderungen der Umwelt als zu hoch oder zu schmerzhaft empfunden werden. Statt derLösung findet dann eine Verdrängung und Verschiebung in das Unbewusste statt. Dabei handelt es jedoch um eine kompromisshafte Scheinlösungen, den die Konfliktinhalte des Kindesalters beeinflussen nun unerkannt aus dem Unbewussten heraus.

Abwehrmechanismen: Sie haben die Aufgabe Inhalte aus unserem Bewusstsein fernzuhalten. Das ist zunächst ein normaler Vorgang, allerdings kann er auch zu neurotischen Symptomen führen, wenn ihnen wichtige Konfliktinhalte zum Opfer fallen.

Beispiel: Ein Kind, kann einen phasentypischen Konflikt dann nicht lösen, wenn es befürchtet Vater oder Mutter zu verlieren. Der unerträgliche Konflikt wird in das Unbewusste verschoben. Von dort beeinflusst er aber weiterhin Denken, Fühlen und vor allem die zwischenmenschlichen Beziehungen. Eventuell werden daraufhin später in einer anderen schwierigen Konfliktsituation SymptomeBindungs- oder Verlustängste ausgelöst

Aktuelle innere Konflikte und Versuchungs- und Versagungssituation sind häufigsymptomauslösend und aktualisieren alte, unbewusste Konflikte, die bis heute wirken.

Bindungstheorie: Beziehungen und Bindungen in den ersten Lebensjahren gelten als besonders prägend für die Psyche. Frühe ungünstige Beziehungserfahrungen sowie nicht gelöste frühkindliche Konflikte können dazu führen, dass auch oder äußere Belastungen nicht hinreichend gut bewältigt werden können.

Beispielsweise können schmerzliche Trennung in der Kindheit erlebt werden, die unser Fühlen und Verhalten bis ins Erwachsenenleben stark belasten und uns sogar psychisch krank machen.

Persönlichkeitsstruktur und Strukturniveau: Die Ausbildung einer reifen Persönlichkeitsstruktur wird benötigt um mit inneren Konflikten und das Umfeld fertig zu werden. Weist sie erhebliche Defizite aufweisen, können diese kaum oder nur mit großem psychischem Kraftaufwand kompensiert werden können. Die Instabilität kannschnell zur Entstehung von psychischen und/oder körperlichen Beschwerden führen.

Das Selbst: Weitere Ursachen für psychische Erkrankungen können beispielsweise Vernachlässigung, Gewalt oder emotionaler Kälte während der ersten Lebensjahre sein. Unter solchen ungünstigen Lebensbedingungen entwickeln Menschen kaum oder nur eingeschränkt stabiles und differenziertes Selbstbild und Bild ihrer Mitmenschen. Ebenso können darunter die Fähigkeiten leiden ein positives Selbstwertgefühl zu erleben, stabile Beziehungen zu führen, das eigene Verhalten zu steuern oder sich in andere Menschen hineinzuversetzen.Das kann die Beziehung eines Menschen zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen deutlich stören.

 

Wie entstehen psychische Störungen? 

Krankheitsverständnis: Bei der Erklärung der Grundbegriffe wird schnell deutlich, dass in der Entwicklung eines Menschen und seiner Psyche einige psychologische Schwierigkeiten entstehen können. Normaler Weise kommen Menschen mit solchen Schwierigkeiten zurecht und können diese lösen oder tragbare Kompromisse bilden. Schon bei Kindern und Jugendlichen können unbewusste Konflikte, die ein Kind nicht hinreichend verarbeitet hat, zu psychischen Störungen oder körperlichen Erkrankungen führen. Die letztendlich Auslöser sind vielfältig und individuell verschieden:

  • Traumatisierende Belastungssituationen: Gewalt, sexuelle Übergriffe, Mobbing, Unfälle
  • Verluste von nahestehender Menschen: Umzug, Trennung, Scheidung, Tod
  • Überforderung: Überlassung, Burn out, berufliche Veränderungen
  • Entwicklungsschritte sind immer auch Entwicklungskrisen: Einschulung, Pubertät, Abitur, Ausbildung, Studium,
  • Körperliche Erkrankungen
  • Biologisch-Genetische Faktoren

Psychodynamik: Die Psyche ist kein starres Gebilde, viel mehr sind Kräfte und Prozesse am Werk, die zu ständiger innerer Bewegung führen. Symptome und psychische Störungen entwickeln sich immer dann, wenn es zu einem Zusammenbruch kommt, der nicht mehr kompensiert werden kann. Alte unbewusste Konflikte treten zum Vorschein oder es wird sogar die gesamte Persönlichkeit krisenhaft und destabilisiert.

 

Behandlung 

Wie hilft ein Psychotherapeut?

Die unter „Grundbegriffe der Tiefenpsychologie“ beschrieben unbewussten Strukturen bilden sich auch in der Beziehung und Kontaktgestellung zum Psychotherapeuten ab. In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie werden sie zunächst zu diagnostischen Zwecken aufgegriffen.

In der „aufdeckenden“ Behandlung werden gemeinsam die unbewussten Persönlichkeitsanteile auf eine bewusste Ebene gebracht. Dazu werden u.a. spezifische Techniken eingesetzt:

  • Deutung
  • Analyse der Therapeut-Patient-Beziehung
  • Klarifizierung
  • Identifikation von Abwehrmechanismen
  • Bezug zu biografischen Erlebnissen
  • Teilweise Bezug zu frühkindlichen Konflikten

Berücksichtig werden auch Schutzhaltungen (sogenannte "Widerstände"), wie sie im Behandlungsverlauf naturgemäß auftreten. Dazu bedarf es einer verlässlichen, schützenden und belastbaren therapeutischen Beziehung. Darüber hinaus hat dasBeziehungsgeschehen zwischen Patienten und Therapeut in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie eine besondere Bedeutung.Es geht nicht bloß darum eine „positive und belastbar Arbeitsbeziehung“ herzustellen wie esin der Verhaltenstherapie oder der Systemischen Therapie der Fall ist. Es geht auch nicht nur das Verstehen, sondern viel mehr um die Beantwortung der verdeckten Bedürfnisse und unbewussten Motive hinter den Symptomen.

 

Ziele einer tiefenpsychologischen Therapie

Die genannten Technikensollen dem Patienten ermöglichen in einer "bewussteren" und damit adäquateren Form mit sich und anderen umgehen zu können. Die Beziehung zum Psychotherapeuten soll eine Nachreifung der Persönlichkeit bewirken. So werden die Bedingungen geschaffen, damit sich Defizite verringern und innere Konflikte gelöst werden können.

Die Therapieziele können somit wie folgt zusammengefasst werden:

  1. Aktivierung gesunder Persönlichkeitsanteile
  2. Bewusstmachungen
  3. Reifung der Persönlichkeit
  4. Überwindung frühkindlicher Konflikte und infantiler Muster

 

Risiken und Nebenwirkungen 

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung - Zur Aufklärung der Patienten gehört auch die Auflistung von unerwünschten Nebenwirkungen und Risiken eines psychotherapeutischen Verfahrens. Was oben noch recht theoretisch klinkt, kann in der Praxis ein lohnender aber auch anstrengender Prozess sein.

Neben den allgemeinen Nebenwirkungen und Risiken der Psychotherapie bringen aufdeckende Therapieverfahren, wie die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, einige Besonderheiten mit sich:

Da nicht nur an Symptomen gearbeitet wird, können in der Auseinandersetzung mit sich selbst schmerzhafte und traurige Erkenntnisseauftreten. Es werden Reifungsprozesse angestrebt, dabei ist es nötig sich von kindischen Ideen und Vorstellungen zu lösen.

Eine Persönlichkeitsentwicklung kann durch aus Krisen behaftet sein, deren Überwindung kostet zu nächst Kraft. Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme können wie ein „psychischer Muskelkater“ nach intensiven Sitzungen auftreten.

In zwischenmenschlichen Beziehungen können vermehrt Konflikte auftreten, etwa bei der Überwindung von Abhängigkeiten. Kinder und Jugendliche können während eines solchen Prozesses zeitweise wiederständiger und anstrengender sein.

 

Was geschieht in der tiefenpsychologischen Psychotherapie? 

Methodisch baut die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie auf den Kontakt zwischen dem Patienten und dem Psychotherapeuten.

In der aktuellen Situationalso im „Hier und Jetzt“ gestalten Therapeut und Patient gemeinsam eine stabilisierende Beziehung. Die Gespräche und der Austausch dienen der therapeutischen Beziehung, die als ausschlaggebender Wirkfaktor eingesetzt wird. Die Beziehungsarbeit, die Beziehungsgestaltung des Patienten mit den dahinterliegenden Wünschen, Motiven und Bedürfnissen sind elementare Bestandteile der Therapie. Dies geht weit über den Aufbau einer professionellen „positiven Arbeitsbeziehung“ hinaus.

Der Therapeut bietet dem Patienten gezielt korrektive emotionale Erfahrungen.In der s.g. Übertragung schreibt der Patient dem Therapeuten positive Elternmerkmale wie Fürsorglichkeit, Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit zu, um diese nach und nach in seine eigene Person zu integrieren. Ähnlich geschieht es bei Patienten mit s.g. strukturellen Störungen in der Persönlichkeit. Hier übernimmt der Therapeut zeitweise Ichfunktionen für seinen Patienten, so werden Gefühle und Handlungsimpulse besser aushaltbar und kontrollierbar.

Selbstverständlich orientiert sich der Verlauf einer Therapie und die Vorgehensweisen individuell an dem Patienten. Für unterschiedliche Altersbereiche bzw. zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen eignen sich darüber hinaus verschiedene Methoden.

 

Erwachsenenpsychotherapie 

In der Behandlung von Erwachsenen sitzen sich der Patient und der Psychotherapeut meistens gegenüberund der Patient liegt nicht abgewandt auf einer Couch. Der Patient kann die Mimik und Gestik des Therapeuten sehen und deuten. In der Regel werden Gespräche eingesetzt. Kombinationen mit Kunst-, Musik- oder körpertherapeutischen Verfahren und Ausdrucksmöglichkeiten sind jedoch auch sehr verbreitet. Insbesondere trifft dies für den stationären Bereich, wie in psychosomatischen, psychiatrischen Einrichtungen oder Reha-Kliniken, zu. Insgesamt ist der Therapeuten dabei aktiver und stärker intervenierend als bei der klassischen Psychoanalyse.

 

Kinderpsychotherapie und Spieltherapie 

Die Vorgehensweisen in der Behandlung von Kindern wurden entsprechend denkinderpsychologischen Erkenntnissenangepasst. Spieltherapien haben sich in der tiefenpsychologischen und analytischen Kinderpsychotherapie bewährt: Kinder können im„freie Spiel“,mit spielerischen Interventionen und Antworten des Psychotherapeuten ein besseres Verständnis für unbewusste Konflikte entwickeln, neu Lösungswege suchen und ausprobieren. Es wird mit Fantasie- und Rollenspielen oder kreative Materialien gearbeitet. Tagträume, magische Wunscherfüllung und unbewusste Fantasien der jungen Patienten dienen oft der Befriedigung frustrierter Bedürfnisse und können therapeutisch aufgegriffen werden. Die Deutung der Spielszenen, Spielinhalte, Rollenzuweisungen, Fantasietätigkeit und des symbolischen Ausdrucks erfolgt schrittweise im therapeutischen Prozess und in der Reflexion der therapeutischen Beziehung.

 

Elternarbeit und Eltern-Kind-Psychotherapie 

Eltern und andere Bezugspersonen werden regelmäßig in die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einbezogen. Anders als in der Erwachsenenpsychotherapie wird dabei nicht bloß mit einem Patienten allein gearbeitet, sondern auch mit dem Familiensystem.

Die Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen gestaltet sich folglich oft als Dreiecksverhältnis zwischen Patient, Bezugspersonen und Therapeut. Dies kann zu komplexen Dynamiken führen. Eine Aufgabe des Therapeuten liegt darin, solche Dynamikenzu erkennen und sie im Hinblick auf konstruktive Veränderungen zu gestalten. Allerdings geht es bei der Arbeit mit den Eltern nicht um eine Psychotherapie der Eltern! Dennoch werden sie im Hinblick auf Erziehungsfragen, Gestaltung der Beziehung zum Kind und ihres Rollenverhältnisse im Familiensystem beraten. Je nach Entwicklungsstand werden Kinder und Jugendliche in Therapieentscheidungen einbezogen.

 

Jugendpsychotherapie bis 21 Jahre 

In der Psychotherapie von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind die Grenzen zur Spieltherapie, mit ihren kreativen Methoden, manch mal fließend. Je nach Entwicklungsalter, meistens ab dem 10.-12. Lebensjahr, werden auch Gespräche im therapeutischen Prozess möglich. Bei der Behandlung von Jugendlichen gehörten sie, wie bei den Erwachsenen, zur Regel. Natürlich werden hier eher jugendpsychologische Themen behandelt. Ab dem 15. Lebensjahr ist es möglich sich anonym und ohne das Wissen der Eltern behandeln zu lassen.

Nützliche Links 

Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V.

Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG)

 

 

 

 

 

 

 
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